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Besondere Quartiere

Auf den Frankfurter Brücken findet sich eine bunte Vielfalt von unterschiedlichen Quartieren: Little Italy an der Friedensbrücke oder das Asia Viertel über der Theodor-Heuss-Allee versetzen die Brückennutzer in eine andere Welt; das Jugend- und Künstler-Viertel am Platz der Republik bietet ebenso wie das Theaterviertel über dem Westkreuz ein breites kulturelles Angebot; im schwebenden IT-College und in der Meisterakademie zur Bewahrung und Innovation des europäischen Kunsthandwerkes gibt es exzellente Bildung für Jung und Alt; im Kachelquartier für Obdachlose finden sich zahlreiche soziale und künstlerische Einrichtungen, die sogar Touristen anziehen dürften  – und auf der Gourmet- und Manufakturzeile kann man auf vielfältigste Weise seine Freitzeit verbringen. So geht jedes Quartier auf den Frankfurter Brücken auf bestimmte gesellschaftliche und soziale Probleme oder Bedürfnisse ein.

Die Themenseite GEBÄUDE & BRÜCKEN können Sie hier als PDF-Präsentation vollständig herunterladen - Präsentation Gebäude und Brücken 

Inhalt: Auf den Brücken ist jeder Abschnitt ein eigenes Quartier mit einer besonderen Gestaltung –in Bezug auf die Nutzung und/oder im Hinblick auf die Architektur

Einige Quartiere haben eine ganz besonders ungewöhnliche Ausprägung, zum Beispiel indem sie soziale Probleme wie Unterkunftmangel für Obdachlose lösen oder aber ganz spezielle Nachhaltigkeitsthemen durch die Materialauswahl beim Bau adressieren, wie beispielsweise im Quartier der Fachwerkhäuser, wo mit nachwachsenden und lokal vorhandenen Rohstoffen gebaut wird.

Quartiere mit besonderer Ausprägung entstehen meist dort, wo größere Brückenflächen eine Ansammlung von mehreren Gebäuden erlauben – zum Beispiel über Kreuzungen oder großen Massenparkplätzen. Aber auch Abschnitte mit Häusern in Reihe entlang des Streckenverlaufs können sehr ausgefallenen Quartiercharakter haben, wie zum Beispiel die Hummerhäuser-Zeile auf dem Weg zum Badesee im Niddapark oder die Manufakturzeile über der Strecke „Am Ginnheimer Wäldchen“.

 

Die bunte Vielfalt der Frankfurter Brücken: kein Abschnitt, kein Quartier gleicht dem anderen. Nur eines haben alle gemeinsam: sie sind durchweg hell, luftig und grün

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Viele Quartiere unterscheiden sich in erster Linie in ihrer Nutzung

Quartiere mit speziellem Nutzungsschwerpunkt:

  • Das Musikerviertel im Norden Richtung Bad Vilbel: Dort befinden sich nicht nur zahlreiche Musikpavillons, sondern auch ein Konzerthaus, eine Opernbühne und die Musik-Meisterschule für musikalisch hochbegabte Kinder.
  • Das schwebende IT-College über der A661 - Kreuzung Hanauer Landstraße.: Ein College ohne jegliche Zugangsbeschränkungen, mit nur einer einzigen Aufnahmebedingung, nämlich einer ausgewöhnlichen Fähigkeit zu programmieren.
  • Das Kachelquartier für Obdachlose an der Ostparkstraße: Hier entstehen farbenfrohe Einzelunterkünfte in Ziegelhäusern für 500 Obdachlose und 4000 Wohnungssuchende nach dem Konzept "housing first"; das Viertel umfasst entsprechend auch Dienstwohnungen für Streetworker und Sozialarbeiter sowie Künstler, Therapeuten usw.
  • Die Meisterakademie für Kunsthandwerk über dem Kaiserlei: Eine Akademie zur Bewahrung und Innovation des europäischen Kunsthandwerks mit Ausbildungsplätzen für rund 2.000 Schüler durch Kunsthandwerk-Koryphäen aus ganz Europa.
  • Das Jugendviertel am Platz der Republik: In Loft-ähnlichen Gebäuden gibt es ein breites Freizeit-Angebot für Jugendliche, ergänzt durch zwei Arche-Gebäude für Kinder und zahlreiche Künstler- und Streetworker-Wohnungen.
  • Little Soho für Obdachlose über dem Busbahnhof:  Das Quartier besteht aus Einzelunterkünften mit Außentreppen statt Treppenhaus, für über 500 Obdachlose, mit Dienstwohnungen für die Bahnhofsmission o.ä. soziale Einheiten.
  • Das Regenbogen-Viertel über dem Parkplatz am Römerhof: Das Quartier besteht aus bunten Mehrfamilienhäusern, eingestreut ist ein breites Angebot für die LGBTQIA-Communities wie Beratungsstellen, Bars, Cafés, Treffs u.v.m.
  • Das Asia-Viertel über der 648 am Westkreuz: Hier gibt es vor allem Asia-Supermärkte, Asia-Restaurants und auch Geschäfte mit nicht-Lebensmittel-Produkten aller Art aus Asien, mit Schwerpunkt auf Ländern in Ostasien. Ärtze für Akkupunktur finden sich hier ebenso wie ein im japanischen Stil angelegter Garten mit einem großem, flachen Teich und japanischen Teichbrücken.

Andere Quartiere wiederum gewinnen ihre Eigenart in erster Linie durch Baustil und/oder Baumaterialien

Quartiere mit speziellem Gestaltungsstil und ggf. besonderen nachhaltigen Baumaterialien

  • Die Hummerhäuser zum Badesee über der Rosa-Luxemburg-Straße: Hier entstehen Einfamilien- und Mehrfamilien-Reihenhäuser aus Holz und Holzderivaten, gebaut im Nordsee-/Ostsee-Stil und mit bunten Farben wie sie für norddeutsche und skandinavische Regionen typisch sind.
  • China-Town am Bethmannpark: Eine kleine Ansammlung von Häusern ist im nordchinesischen Baustil aus Zedernholz gebaut: In den Erdgeschoss-Etagen gibt es Bio-China-Restaurants sowie chinesische Garküchen mit Original-Speisen.
  • Der Laternenplatz über dem Baseler Platz: Der Laternenplatz besteht aus Spätgründerzeit-Reihenhäusern und freistehenden „Fliesenhäusern“ á la Portugal, mit überdurchschnittlich vielen Laternen, um nachts mehr Sicherheit zu gewährleisten.
  • Der Türmchenplatz über der Kreuzung Kennedyallee/Stresemannallee: Die Gebäude haben Türmchen dort, wo eine Mehrbelastung durch die verstreuten wenigen Pfeiler es erlauben, mit unterschiedlichen Bauweisen aus Leichtbeton.
  • Little Italy über der Stresemannallee Richtung Main: Die Gebäude sind im italienischen Neorenaissance-Stil gehalten und ebenfalls aus verschiedenen Leichtbeton-Materialien erbaut.
  • Platz der Fachwerkhäuser über dem Parkplatz der Commerzbank-Arena: Die Mehrfamilienhäuser auf diesem Platz werden in alter Fachwerk-Bauweise-und mit nachwachsenden Rohstoffen gebaut.
  • Das Pariser Viertel an der Ludwig-Erhard-Anlage/Messe: Die Gebäude hier sind angelehnt an Mehrfamilienhäuser in Paris, ebenfalls aus verschiedenen Leichtbeton-Materialien erbaut. In ihnen befinden sich eine französische Bäckerei, französische Bistros und Restaurants u.v.m.
  • Das Quartier der fließenden Formen an der S-Bahn-Brücke Hanauer Landstraße, nahe der EZB: Die Gebäude werden hier alle in Rabbitz-Leichtbauweise erstellt, die mit nachhaltigen Materialien auskommt und vielfältigste Rund-Formen ermöglicht.

Zum Auftakt: ein Spaziergang im Süden durch Quartiere mit unterschiedlichen Baustilen

Google Earth / Stiftung Altes Neuland Frankfurt GNU

Der Spaziergang startet am Blumen-Abhang über den S-Bahnbrücken, die die Kennedyallee überqeren

Über breite Treppen läuft man den Abhang hinab, vorbei an Beerenpavillons und prächtig bewachsenen Mauern rechts und links, gehalten im Stil eines Bauerngartens.

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Vom Blumen-Abhang zum Türmchenplatz

Über der Kennedyallee ist die Brücke besonders intensiv begrünt: Wie ein grünes Band zieht sie durch die Stadt.

Man spaziert auf ihr zunächst an einer französischen Bäckerei vorbei, in der es echte Croissants gibt, flankiert von einem kleinen Friseur-Salon.

Der Weg rechts und links ist von üppigen Prachtbeeten umrahmt, und hinter den Fahrbahnen liegen Wildwiesen, wo sich Pflanzen und Tiere geschützt vor den Menschen entfalten können.

 

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Weiter geht es im Grünen, das nur durch vereinzelte kleine Wohnpavillons und ein größeres Durchgangshaus unterbrochen wird

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Auf Höhe der Villa Kennedy kommt man an einem Inklusionsspielplatz vorbei, hinter dem der Türmchenplatz beginnt

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Auf dem Türmchenplatz gibt es bezahlbaren Wohnraum, einen Bio-Supermarkt mit Schwerpuntk auf Produkten aus der Region, ein Teehaus und einen Aussichtssturm mit einer großen Terrasse. Überall finden sich Bänke und Mäuerchen zum Sitzen, und aus einem Wandbrunnen am Supermarkt kann man auch trinken. Wendet man sich auf dem Türmchenplatz Richtung Norden zum Main hin, so kann man durch das FFM Golden Gate laufen, um zu Little Italy zu gelangen.

Das FFM Golden Gate führt vom Türmchenplatz zu Little Italy

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Das „Frankfurter goldene Tor “ – FFM Golden Gate – trägt seinen Namen wegen der Hängestatik-Konstruktion, die eigens dafür entwickelt wurde, um durch den Platanenbestand hindurch die Brückenteile zu tragen. Der kleine Abschnitt erinnert an die Golden Gate Bridge in San Francisco, daher der Name. Sollte die Erwärmung Nordeuropas allerdings fortschreiten, wird für jetzt existierenden Platanen in Deutschland leider ein ähnlich großes Sterben erwartet wie in Südeuropa, wo ein nicht bekämpfbarer Platanenschädling sich bereits bis nach Frankreich hin ausgebreitet hat. Mit der besonderen Hängebrücken-Konstruktion bleibt jedoch Platz für die Ersatzpflanzung neuer ebenso großkroniger Bäume. Man kann auf Kronenhöhe direkt an den Bäumen entlang spazieren, wie auf einem Baumwipfelweg.

Little Italy: Der Bereich Stresemannallee zum Mainufer hin umfasst bis zu acht Spuren plus Straßenbahnschienen – und ist entsprechend grau, leer und zugig

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Darüber ensteht eine andere Welt: ein Quartier mit der Architektur Italiens

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Stilelemente Italiens haben in Frankfurt Tradition: Noch heute stehen hier einige Gebäude, die der italienischen Renaissance nachempfunden sind

Karsten Ratzke - Wikimedia
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Karsten Ratzke - Wikimedia - Freiherr-vom-Stein-Strasse

Lebensqualität im öffentlichen Raum

Während heute der Abschnitt Stresemannallee vor der Friedensbrücke außer Autoverkehr nichts zu bieten hat, wird das Areal mit den Frankfurter Brücken zu einem der schönsten Orte Frankfurts:

Über der breiten grauen Autowelt erhebt sich ein grünes Quartier, in dem man spazieren gehen, italienisches Bio-Eis und Bio-Backwaren essen  kann oder aber hinter dem italienischen Palladio-Restaurant in Korbschaukeln den Blick auf den Main genießen kann.

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Google Earth

In Little Italy gibt es bezahlbaren Wohnraum und Original-Gastronomie aus Italien, malerisch eingebettet in eine mediterran anmutende Parkanlage

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Little Italy hat Vorbildcharakter: In ähnlicher Weise können auch in anderen grauen, autobefahrenen Gegenden bunte Viertel in der Tradition anderer Länder entstehen und die Internationalität von Frankfurt unterstreichen

Am Beispiel von Little Italy wird gezeigt, wie ein Stückchen mediterrane Lebenswelt mitten in Frankfurt geschaffen werden kann: durch die Architektur, durch Bepflanzung und auch durch die Angebote mit kulinarischen Genüssen aus Italien.  Nach dem gleichen Prinzip sind auch die anderen internationalen Quartiere auf den Frankfurter Brücken konzipiert: das französische Viertel an der Messe um den See herum, die skandinavische Meile über der Friedrich-Ebert-Anlage, China-Town am Bethmann-Platz, das Asia-Viertel an der Theodor-Heuss-Allee und die Orientalische Meile kurz vor dem Theaterviertel über dem Westkreuz, wo es alle Arten von echtem Nan, kleine Grillbuden, Stände mit orientalischen Spezialitäten u.v.m. gibt.

Dieses Konzept kann bei Erweiterung der Brücken weiter fortgesetzt werden: Frankfurt ist eine internationale Stadt mit Expatriates aus den verschiedensten Ländern – einige davon mit einer großen eigenen Community, die an der Gestaltung ihres „Landes-Quartiers“ auf den Frankfurter Brücken aktiv mitwirken können: Kulturvereine können das Kulturprogramm in ihrem jeweiligen Brücken-Quartier mitgestalten, Universitäten und Handwerkerverbände aus den Ländern können einen Beitrag zur Entstehung originalgetreuer Architektur leisten und Landschaftsgärtner aus den jeweiligen Regionen können gemeinsam mit der Gartenbau-Abteilung der Brückengesellschaft überlebensfähige Bepflanzung für die Länder-Areale definieren und ggf. liefern. 

Bitterorange - www.pflanzmich.de
Spencer Lee - pixabay.com
Feigenbaum - www.baumschule-horstmann.de
Pfeifenstrauch - www.baumschule-horstmann.de

Für Little Italy ist nicht nur der Raum auf den Brücken im italienischem Stil geplant, sondern auch die Unterseite soll (neben den zahlreichen brückentypischen Lichtlöchern) durch zarte helle italienische Fresko-Deckenmalereien bereichert werden – für Anwohner ebenso wie für Wartende an den Stationen dort

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Der Spaziergang führt weiter über den Main zum Baseler Platz: Wo heute eine kleine Parkanlage umgeben ist von mehrspurigen grauen Straßen entsteht ein warmes, grünes Innenstadtquartier

Google Earth - Baseler Platz

Der Laternenplatz: Am Tag blickt das Quartier auf einen lebendigen kleinen Park von paradiesischer Schönheit, der durch die umlaufende Brücke vor Lärm geschützt wird

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Nachts wird das Quartier durch eine Vielzahl unterschiedlichster Laternen mit insektenschonendem amberfarbenen Licht gut beleuchtet, da es in der Nähe des Hauptbahnhofes liegt: daher der Name „Laternenplatz“

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Eine weitere Besonderheit des Laternenplatzes: Während fast alle Gebäude in hellen, dezenten Farben gehalten sind, gibt es einzelne Solitäre, deren Fassade kunstvoll mit Fliesen versehen ist

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Christophe Cappelli - dreamstime.com
canstockphoto.com
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Beira Mar  Jardim do Rossio - www.depositphotos.com

Fliesenhäuser finden sich in Europa vor allem in Portugal

Aber auch in anderen Ländern werden Gebäude häufig nicht nur im Innenbereich, sondern auch außen gefliest

Italienische Cosmati beispielsweise zieren nicht nur Böden, sondern vereinzelt auch Außenwände. Für die jungen Handwerker der Meisterakademie zur Bewahrung und Innovation des europäischen Kunsthandwerkes auf den Offenbacher Brücken stellen Fliesenhäuser eine Gelegenheit dar, ihre Kunst zu erproben und in Richtung Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln: Denn Fliesen stellen einen nützlichen Schutz für Gebäude dar, der ihre Lebensdauer deutlich verlängern kann.

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Cosmati Fliesen Santa Maria Trastevere

Die Fliesenhäuser am Laternenplatz schaffen eine farbenfrohe Atmosphäre

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Als letzte Station im Süden kommt Little Soho: eine Gruppe von Gebäuden mit innovativen Unterkunftsmöglichkeiten für Obdachlose

Hinter dem Laternenplatz führt die Hauptroute weiter zu den Zuggleisen, aber über einen Fußpfad gelangt man zu einem besonderen Viertel über dem Busbahnhof: einer Ansammlung von Gebäuden mit Einzelunterkünften für Obdachlose.

Frankfurt verzeichnete vor Corona in 2018 noch rund 500 Obdachlose. Die Zahl dürfte sich durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Lock-Downs in 2020 und 2021 noch erhöht haben.

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Die Herausforderungen bei der Unterbringung von obdachlosen Menschen

In Frankfurt gibt es zwar zahlreiche Unterkünfte für Obdachlose, doch häufig reicht die Kapazität nicht aus, und ihr Angebot wird auch nicht immer angenommen: Denn zum einen ist es für viele Obdachlose ein Problem, dass sie oftmals ihre Drogen nicht mit hineinnehmen dürfen, sondern bei Ankunft abgeben müssen. Drogen sind häufig ihr kostbarster Besitz und sie sind abhängig von dem Konsum.

Ein weiteres Problem ergibt sich nachts: Da kann nicht so viel Personal gestellt werden, dass permanent für alle untergebrachten Menschen die Sicherheit gewährleistet ist. Die Angst, ausgeraubt oder verprügelt bzw. vergewaltigt zu werden, führt bei vielen Obdachlosen dazu, dass sie lieber das gesundheitliche Risiko einer Nacht in Eiseskälte auf sich nehmen, als dass sie sich in die eigens für Obdachlose vorgesehenen Häuser der Stadt begeben.

Vergleichsweise beliebt sind daher die Schlafplätze in der Innenstadt-B-Ebene am Eschenheimer Tor, wo mit geringfügigem Personalaufwand eine soziale Kontrolle gewährleistet ist. Allerdings dürfen Obdachlose sich dort erst ab 23.00 Uhr niederlassen und müssen ab 06.00 Uhr wieder das Feld räumen, was im Winter ein sehr kleines Zeitfenster ist. Zudem stellt es für manche Passanten der B-Ebene, die in den Randzeiten dort unterwegs sind, eine Belastung dar.

Auf den Frankfurter Brücken ist dies anders: In der Obdachlosenunterkunft "Little Soho" gibt es nur Einzelkammern mit eigenen Toiletten, und selbst ein Treppenhaus entfällt, in dem man überfallen werden könnte. Denn aus jedem der 145 Zimmer kann man direkt ins Freie hinaustreten und über Außenreppen hinunter gelangen. Der großen Anzahl an Außentreppen, die dadurch notwendig werden,  verdankt das Viertel seinen Namen „Little Soho“, da es an die Vielfalt der Feuertreppen im New Yorker Viertel Soho erinnert.

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Obdachlosen-Unterkünfte mal ganz anders: als eine Aufwertung der Nachbarschaft

Auf den Frankfurter Brücken werden selbst Obdachlosen-Unterkünfte wunderschön gestaltet, so dass sie sogar zur Touristen-Attratkion werden: Denn nur wenn sie von spektakulärer Schönheit sind, werden sie in der Nachbarschaft geduldet bzw. tragen sogar zur Aufwertung der Nachbarschaft bei. Und das ist notwendig, wenn man Innenstadt-nah solche Unterkünfte erschaffen möchte. Baut man sie nämlich an abgelegenen Orten, zum Beispiel in reinen Gewerbegebieten, dann stören sie vielleicht nicht die Nachbarschaft, sind aber für Obdachlose auch schwer erreichbar und daher oftmals keine Alternative zum Schlafen im Freien.

Rund 500 Obdachlose gab es in Frankfurt in 2018 – Corona dürfte die Zahl erhöht haben

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Eine äußerst ansprechend gestaltete Obdachlosen-Unterkunft ist in Frankfurt schon vorhanden

Das von Architekt und Professor Michel Müller entworfene Gebäude bietet Platz für ca. 150 Obdachlose und wurde seit seiner Erbauung 2017 bereits erweitert.

Stiftung Altes Neuland Frankfurt GNU - Obdachlosenunterkunft Ostpark

Das Prinzip von Little Soho: Einzelunterkünfte statt Obdachlosen-Heim

Auch wenn die Gebäude von Little Soho so schön aussehen, dass man am liebsten direkt einziehen möchte, handelt es sich im Inneren dennoch um ganz schlichte, ca. 6 Quadratmeter große Einheiten, in die ein Schlafplatz von 1 Meter Breite hineinpasst, eine kleine Fläche von 50cm Breite für die Habseligkeiten und eine winzige Toilette mit Waschbecken. Es ist ein sicherer warmer Schlafplatz mit Tageslichtfenstern - aber mehr auch nicht.

Die Häuser werden mit geothermisch gespeicherter Wärme und Wärmepumpe geheizt, was bedeutet, dass sie als thermisch aktivierte Fläche den Fußboden haben. Entsprechend ist auch kein Bett in dem Zimmerchen, es ist komplett leer – hat aber einen warmen Fußboden. Die Obdachlosen erhalten nach Einlass (im Winter ab 17.00 Uhr) auf Wunsch eine Schlafmatte, die sie morgens, wenn sie spätestens um 10.00 Uhr das Zimmer verlassen müssen, wieder abliefern müssen.

In die Fußböden sind überall Ablaufgitter eingelassen, so dass die gefliesten Böden zur Reinigung einfach abgespritzt werden können – das Wasser läuft mit Gefälle zum Ablauf, und der Boden trocknet bis zur Wiedernutztung durch Lüftung. Damit sind die leeren Zimmer und Toiletten wartungsarm, sehr leicht zu reinigen und für jeden neuen Übernachtenden sauber.

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Für Obdachlose mit Platzangst gibt es „Zimmer ohne Wände“

Manche Obdachlose begeben sich auch deshalb nicht in Unterkünfte der Stadt, weil sie durch das lange Leben auf der Straße eine Phobie gegen geschlossene Räume entwickelt haben. Für sie gibt es ca. ein Dutzend Eck-Zimmer vorne an den Terrassen der Häuser, wo statt Fenster oder Türen an zwei Seiten große Bögen in der Wand sind, so dass man quasi unter einer Überdachung im Freien liegt. Die Fußöden dieser Zimmer werden mit der Geothermie-Anlage verstärkt geheizt, und auch die zwei Wände, die diese „Freiluft-Räume“ haben, sind geothermisch aktiviert, so dass innerhalb der Überdachung ein etwas wärmeres Plätzchen entsteht.  Eine Toilette haben diese Überdachungskammern natürlich auch. Notdurft darf nicht im Freien oder in den offenen Kammern verrichtet werden. Wer sich an die Grundregeln wie der der Toiletten-Nutzung wiederholt nicht hält, bekommt keinen Schlafplatz mehr in Little Soho zugeteilt.

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Das Management von Little Soho und anderen sozialen Einrichtungen auf den Frankfurter Brücken

Es bietet sich an, das Management von Little Soho Organisationen wie der Bahnhofsmission oder der Caritas zu übertragen und die dort enstehenden zusätzlichen Personalkosten zu kompensieren, indem die Brückengesellschaft ihren Mitarbeitern günstigen bezahlbarem Wohnraum auf den Brücken anbietet, die die Organisationen als Dienstwohnungen quasi wie einen Gehaltsbestandteil ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen können. 

In Little Soho selbst gibt es in zwei Häusern in den oberen Etagen Dienstzimmer, die den Organisatoren zur Verfügung stehen: Dort können sich die aufsichtführende Personen, die in der Nachtschicht Ansprechpartner für die Obdachlosen sind, ebenfalls mal hinlegen oder sich in einer kleinen Küche Essen zubereiten.

Die Kachelhäuser: ein weiteres Quartier für Obdachlose

An den Bahnlinien unterhalb der Ostparkstraße entsteht ein weiteres Quartier für rund 250 Obdachlose mit einem zusätzlichen Angebot: Zum einen gibt es wie in Little Soho Einzelunterkünfte; zum anderen nehmen weite Teile des Areals auch Gebäude ein, in denen obdachlos gewordene Menschen wieder Fuß fassen können und temporär eigenen Wohnraum erhalten – ähnlich wie in der „Übernachtungsstätte Ostpark“.

Die Häuser sind allesamt mit farbigen Kacheln versehen, ähnlich wie das Kachelhaus in Bielefeld. Auch hier gilt: Von außen soll es schön sein, um die Akzeptanz in der Nachbarschaft zu erhöhen, innen jedoch sehr schlicht.

Thomas Robbin - www.architektur-archiv.de

Unterkunft und Reintegration in den Kachelhäusern an den Gleisen

Rund 250 Obdachlose finden in diesem Quartier nachts eine Bleibe auf ca. 2.000 qm Brutto-Gebäudefläche. Ferner sind für Organisatoren bzw. Sozialarbeiter Dienstzimmer mit Aufenthaltsqualität und Schlafmöglichkeit vorgesehen.

Google Earth - Stiftung Altes Neuland Frankfurt GNU

Die restlichen 13.000 qm Gebäudefläche unterteilen sich in rund 300 Kleinst-Wohnungen für Menschen, die ihr zuhause verloren habe, das heißt wohnungslos sind, aber noch nicht auf der Straße gelebt haben, sowie Obdachlose, die es schaffen, das Reintegrationsangebot der Stadt wahrzunehmen, und Anlaufstellen, wie sie für ein „housing first“-Konzept notwendig sind, wie z.B. Therapeuten, Sozialarbeiter etc.

Der Quartiersabschnitt für Wohnungslose und die Reintegration von Obdachlosen ist etwas anders gestaltet

Bei den reinen Übernachtungsstätten für Obdachlose wie in Little Soho handelt es sich um Einzelunterkünfte mit rund 6qm Fläche. In dem Quartiersabschnitt für Wohnungslose hingegen gibt es auch Einheiten für zwei, drei oder mehrere Personen, mit ca. 15qm pro Person. So können auch Paare oder Familien untergebracht werden.

Und während die reinen Obdachlosen-Einzelunterkünfte ohne Möblierung gegen Abend aufgesucht und am Vormittag wieder geräumt werden, sind die Kleinstwohnungen hier für eine Verweildauer von einigen Tagen oder auch Monaten gedacht, bis eine andere dauerhafte Unterkunft gefunden wurde.

Jede Einheit verfügt über ein Mini-Duschbad und eine Mini-Teeküche mit Kühlschrank und zwei Kochplatten. Die Möblierung umfasst pro Person lediglich ein Bett, einen Fernseher und einen Tischsitzplatz, so dass am Tisch gegessen oder gearbeitet werden kann.

Ähnlich wie bei dem VinziDorf in Wien gibt es auch hier ein Haupthaus, in dem sich eine Art Essensausgabe und eine Waschküche für Wäsche befindet.

Kurt Kuball VinziDorfWien
Kurt Kuball VinziDorfWien
Kurt Kuball VinziDorfWien

Im Fliesenquartier der Frankfurter Brücken wird das „housing first“-Konzept angewandt, das Menschen ohne Vorbedinungen in erster Linie von der Strasse holt, um ihnen dann in einem zweiten Schritt therapeutische Betreuung und Reintegration anzubieten

Auf den Frankfurter Brücken wird bei der Vergabe der Mini-Wohnungen im Fliesenquartier das „housing first“-Konzept angewandt: Während herkömmliche Obdachlosen-Konzepte als Voraussetzung für eine Wohnungsvergabe zunächst die Wohnungsfähigkeit der Bedrüftigen fordern, geht man bei housing first davon aus, dass Menschen zunächst einmal bedingungslos ihre eigenen vier Wände benötigen, um dann gegebenenfalls auch weitere Reintegrationsangebote wie Drogenentzug, therapeutische und medizinische Betreuung, Selbsthilfegruppen u.ä. freiwillig anzunehmen. Menschen, die auf der Straße leben, brauchen also nicht erst irgendwelche Auflagen zu erfüllen oder Programme durchlaufen oder abstinent zu werden, um eine Mini-Wohnung zugewiesen zu bekommen, sondern sie erhalten eine feste Unterkunft, um dann vielleicht die Kraft zu haben, andere Chancen wahrzunehmen.

Rainer Viertlboeck - derarchitektbda.de
promifotos.de - photocase.de

Das Quartier der Kachelhäuser ist kein reines Obdachlosenviertel, sondern ist als potenzielle Touristenattraktion auch durchsetzt mit ein wenig Gastronomie, Geschäften und Künstler-Leben

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Warum besteht das Quartier aus Kachelhäusern?

Das Quartier ist wie Little Soho und die Obdachlosen-Unterkunft im Frankfurter Ostpark absichtlich so gestaltet, dass es durch seine schönen bzw. spektakulären Bauten eine höhere Akzeptanz bei den nächstgelegenen Anwohnern erzielt.

Hinzu kommt, dass in den Hobby-Pop-Ups auf den Brücken über die Jahre hinweg von Bürgern viele schöne bunte Kacheln bemalt und gebrannt werden, für die die Kachelhäuser eine tolle Bühne bieten: Künstler können die Kacheln mit ihrer künstlerischen Expertise auf den Gebäuden im Fliesen-Quartier anbringen, so dass immer mehr Fassadenwände im Laufe der Jahre damit geschmückt und geschützt werden. Die Frankfurter gestalten so das Quartier permanent mit, was die Akzeptanz dieses Obdachlosenquartierts unter den Bürgern erhöht.

Darüber hinaus sind vor allem auch im Innenbereich gekachelte Wände sehr gut zu reinigen und bieten wie im Außenbereich einen zusätzlichen Schutz für das Gebäude.

Doch das ist nicht der einzige Nachhaltigkeitsaspekt: Ein Großteil der Kacheln, vor allem für den Innenbereich, wird aus Bauschutt-Recyclingmaterial hergestellt.

 

CaronB - istockphoto.com

Ästhetisch schöne Shards-Fliesen aus 100% Recylcling-Material sind ein wichtiger nachhaltiger Baustoff im Kachelquartier

Die schönen Fliesen in angenehm dezenten Farbtönen können rein aus Bauschutt und ohne Zusatzstoffe bzw. das Hinzugeben von Farbe gefertigt werden, indem gezielt für eine bestimmte Optik spezielle Mischungen an recycelten Ziegeln und Glas verwendet werden.

Die Wiederverwendung von Bauschutt zum „Up-Cyceln“ und nicht zum „Down-Cyclen“ ist ein wichtiger Grundsatz beim Einsatz von nachhaltigen Baustoffen aus Recylcling-Material.

Diese und vergleichbar hergestellte Kacheln werden nicht nur im Kachelquartier, sondern in zahlreichen Gebäuden auf den Frankfurter Brücken verbaut.

Lea Schücking shardstiles.com
Lea Schücking shardstiles.com
Lea Schücking shardstiles.com

Frankfurt wird zum Vorreiter in der Obdachlosen-Hilfe

Frankfurt ist eine wohlhabende Stadt, und dennoch wächst die Zahl der Obdachlosen dort, nicht zuletzt seit der Corona-Krise. Durch Inflation und ein traditionell hohes Mietpreis-Niveau wird die Lage noch verschärft.

Mit Little Soho und dem Kachelquartier entstehen humane Unterbringungsmöglichkeiten für Menschen, denen Quartiere auf der grünen Wiese nicht helfen: Sie benötigen Innenstadt-Publikum und soziale Einrichtungen wie die Tafel in ihrer Nähe zum Überleben.

Trotz der Nähe zum Stadtleben sind die Orte für die beiden Obdachlosen-Quartiere kein wertvoller Bauplatz, der anderen Bürgern weggenommen würde: Denn der Platz von Little Soho über dem Busparkplatz vor dem großen Parkhaus ist keine attraktive Wohnlage. Auch das Kachelquartier, das direkt an den Gleisen der Bundesbahn liegt und somit auch nachts manchmal laute Züge in direkter Nähe hat, ist keine begehrte Wohnlage.

Mit den beiden Quartieren wird so dauerhaft Abhilfe geschaffen für eine menschenunwürdige Notlage, und gleichzeitig erhält Frankfurt zwei weitere Touristen-Attraktionen.

Ein weiteres Innenstadtviertel: das Jugend- und Künstler-Quartier am Platz der Republik

Das Teenager-Alter ist eine kritische Zeit in der Entwicklung zum jungen Erwachsenen, weshalb es gar nicht genug Freizeitangebote geben kann. In der Innenstadt finden sich kaum Angebote: Das Jugendviertel am Platz der Republik soll beispielhaft sein für weitere coole Plätze dieser Art. Vorzugsweise entstehen diese Plätze an Orten  –bzw. bei den Frankfurter Brücken „über“ Orten -  die heute grau und wenig lebendig wirken. Über so einen Ort hinweg verlaufen die Frankfurter Brücken am Platz der Republik, zwischen Hauptbahnhof und Messe.

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Vorzugsweise entstehen diese Plätze an Orten  –bzw. bei den Frankfurter Brücken „über“ Orten -  die heute grau und wenig lebendig wirken. Über so einen Ort hinweg verlaufen die Frankfurter Brücken am Platz der Republik, zwischen Hauptbahnhof und Messe.

Der Platz der Republik liegt mitten zwischen völlig unterschiedlichen Welten

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Auf der einen Seite liegt das Westend, die teuerste Wohn- und Bürogegend in Frankfurt, auf der anderen Seite befindet sich mit dem Bahnhofsviertel eine Gegend, die trotz aller Bemühungen der Stadt gekennzeichnet ist von Drogen, Prostitution und Kriminalität. Mitten durch dieses ganze Gebiet führt die Mainzer Landstraße, die wie eine Grenze zwischen Westend und Bahnhofsviertel verläuft: vom Platz der Republik hoch zu den nobelsten Gegenden der Stadt rund um die Alte Oper.

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Eigentlich ist der Platz der Republik kein Platz, sondern eine einzige große, stark befahrene Verkehrskreuzug

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Über dieser trostlosen Autokreuzung erhebt sich mit den Frankfurter Brücken ein offenes und cooles Viertel für Jugendliche

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Die loftartigen Gebäude sind umringt von Grünflächen und sind für die unterschiedlichsten Aktivitäten ausgestattet

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Im Erdgeschoss sind die Jugendtreffs, und darüber befinden sich Streetworker- und Künstler-Wohnungen

Der Platz der Republik ist ein Ort, wo Jugendliche ein sehr buntes Angebot an Aktivitäten vorfinden: Malen, schnitzen, Skulpturen formen kann man ebenso wie tanzen, als Band spielen oder gemeinsam kochen.

 

In jedem Gebäude gibt es Bereiche, wo man auch einfach „chillen“ kann. Auch im Außenbereich stehen Mäuerchen, Treppen oder Wiesen zum Entspannen zur Verfügung.

 

Alle Jugendliche mit Brückenkarte können kommen und mitmachen – wenn es zu viele werden, muss man sich in einen Plan eintragen bzw. kann sich online für eine Aktivität anmelden.

 

Organisiert und beaufsichtigt werden die Aktivitäten von Streetworkern und Künstlern, die in den oberen Etagen bezahlbaren Wohnraum beziehen können.

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Bezahlbare Loftwohnungen für Streetworker und Künstler als attraktiver Aspekt der Arbeit im Jugendviertel

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Die großzügige Loftarchitektur bietet Platz für Bewegung, zahlreiche jugendliche Teilnehmer und großflächige Kunst

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Ergänzt wird das Jugendviertel am Platz der Republik durch zwei Arche-Häuser

Das nahegelegene Bahnhofsviertel gilt als Brennpunktviertel, und auch das Gallusviertel, das sich südwestlich vom Platz der Republik befindet, gilt als sozial schwächeres Viertel. Die beiden Arche-Häuser in unmittelbarer Nähe des Jugendviertels sollen es Kindern aus diesen Gegenden ermöglichen, nach der Schule Mahlzeiten und einen Platz zum Lernen und Spielen zu haben. Die Arche-Gebäude liegen auf den Frankfurter Brücken über der Mainzer Landstraße, die vom Platz der Republik weiterführt zur Alten Oper. Mit ihrer Rückseite schauen die Gebäude auf Seitenstraßen, die ins Westend hineinführen.

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Das Arche-Haus für die 6- bis 12-Jährigen

Die erste Arche ist ein großzügig geschnittenes Gebäude, das im Erdgeschoss zwei große Fenster-Loggien hat, von denen eine im 1.OG weitergeführt ist. Die Fenster-Loggien sind bis Brüstungshöhe satiniert, so dass man nicht von außen hineinschauen kann, die Kinder jedoch umgekehrt das Geschehen draußen beobachten können.

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Platz für ca. 20 Kinder

Im Erdgeschoss befindet sich ein großer halbrunder Raum mit großem Tisch zum gemeinsamen Essen. Danach können die Kinder in diesem Raum und auch in einem Nebenraum Hausaufgaben machen, Basteln, Malen oder Spielen.

Die große Wohnküche dient auch als Aufenthaltsraum für das Personal und weniger zum Kochen, da das Essen geliefert wird.

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Fürsorglich gestaltet

Die Arche ist auch im 1.OG barrierefrei. Dort befindet sich ein schöner großer Raum zum Entspannen und Spielen.

Für Kinder, die sich mal nicht wohlfühlen oder einfach Schlaf nachholen müssen, gibt es zwei Betten in einem Ruhebereich.

Daneben liegt eine ca. 45qm große Dienstwohnung, so dass die Arche bedarfsweise auch nachts besetzt ist oder bewohnt sein kann.

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Ein weiteres Arche-Haus für die 12- bis 16-Jährigen

Die zweite Arche ist für etwas ältere Kinder bzw. Jugendliche, da sich die Interessen und damit auch die Raumgestaltung ab dem 12. oder 13. Lebensjahr deutlich ändern.

Die Arche ist entsprechend auch kleiner, aber trotzdem für ca. 20 Kinder ausgelegt, da ältere Kinder nicht mehr so viel Platz bei ihren Freizeit-Beschäftigungen brauchen.

Neben der Arche für die älteren Kinder und Jugendliche befindet sich ein ebenfalls barrierefrei gestalteter Bio-Döner-Imbiss mit Außenbereich, der auch für die Teenager vom Jugendviertel Anziehungskraft haben dürfte – als Abwechslung zu der Pizzeria und dem Café des daneben gelegenen Jugendviertels über dem Platz der Republik.

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Wo Hanauer Landstraße und A661 sich kreuzen, entsteht ein weiteres cooles Quartier: das schwebende IT-College auf den Frankfurter Brücken

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Das IT-College verfügt über eine Fläche von über 30.000 Quadratmetern und liegt in unmittelbarer Nähe zur „Deutsche Commercial Internet Exchange“: einem der größten Internetknoten der Welt

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Am Areal des IT-Colleges sind die Seiten der Frankfurter Brücken mit bis zum Boden reichenden photovoltaischen Modulen ausgestattet, die wie eine Energiezentrale Strom für das College erzeugen

Dadurch wird rund um das IT-College besonders viel Strom erzeugt, der direkt dort für die Rechner verwendet werden kann, welche einen außerordentlich hohen Strombedarf haben.

Google Earth Stiftung Altes Neuland Frankfurt

Unterhalb des IT-Colleges entsteht durch die bodentiefen Seitenelemente ein dunkler Raum, in dem nur Säulen erleuchtet sind: In diesem dunklen Areal kann man als Entertainment auf den von der Decke herabhängenden, ebenfalls beleuchteten Laufrosten herumspazieren.

Die Spazierwege unter dem IT-College eignen sich als Abenteurstätte – nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene

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Insbesondere Kämpfe und Verfolgungsjagden mit dem Laserschwert lassen sich hier gut ausfechten

Das IT-College in Renaissance-Architektur – frei für alle Menschen mit einer Hochbegabung für Informatik

Man kann bereits an der Goethe-Universität in Frankfurt und an der Frankfurt University of Applied Science Informatik studieren.

Das IT-College auf den Frankfurter Brücken deckt jedoch ein spezielles Segment ab: Dort kann jeder IT studieren, egal wie alt, egal woher die Person kommt, und vor allem: auch ohne irgendeinen Schulabschluss- oder sonstigen Bildungsnachweis, solange eine Hochbegabung für Informatik vorliegt.

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Ein moderner Campus muss nicht aussehen wie der Google-Campus

Ganz im Gegenteil: Auf den Frankfurter Brücken wird für Bildung ein geschützter Innovationsraum auf der zweiten Ebene geschaffen, der anders funktioniert als herkömmliche Strukturen: Das IT-College auf den Brücken knüpft an den freien Geist der Renaissance an und nicht an bildungspolitisch festgelegte Rahmenbedingungen wie andere Ausbildungsstätten in Deutschland und auch nicht an eine amerkanische Campus-Welt, die möglichst clean und durchtechnologisiert daherkommen möchte. Vielmehr geht es um den innovativen Schaffensgeist Europas, die Aufbruchstimmung der Renaissance und das freiheitliche Denken der Aufklärung. Das ist das Werte-Fundament des schwebenden IT-Colleges auf den Frankfurter Brücken .

Für über 2000 Studierende bietet das IT-College auf den Frankfurter Brücken ein breites Angebot an Inhalten: Jeder Studierende in dem College kann sich seine Studienfächer und Schwerpunkte frei aussuchen

Allerdings müssen sie sich unabhängig von ihren Schwerpunkten in allen grundsätzlichen Bereichen eine Basisbildung aneignen. Dafür gibt es in allen relevanten Aspekten der Informatik verbindliche Grundkurse, auf die ein breites Angebot an optionalen Spezialisierungskursen folgt. 

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Diese Grundlagen müssen bei allen Studierenden vermutlich lediglich vervollständigt werden, denn da die (einzigen!) Zulassungsvoraussetzungen der Nachweis einer Hochbegabung in irgendeinem Gebiet der Informatik ist, kann man davon ausgehen, dass die meisten Studierenden, selbst die sehr jungen, mit einem Vorwissen in mindestens einem der Bereiche antreten.

Nach Absolvieren der Grundlagen-Ausbildung kann eine Spezialisierung erfolgen, sowohl innerhalb der Fachschwerpunkte der Informatik als auch in Verbindung mit der Anwendungswelt: Egal ob diese im Bereich Datenbanken, Steuerung, Cyber Securitiy etc. liegen – für jede Anwendungswelt werden stets Gastdozenten aus den jeweiligen Anwendungsgebieten hinzugezogen, sei es aus der produzierenden Industrie, der Finanzwelt, der Logistik, der Forschung oder anderen Gebieten.

Um das IT-College herum befinden sich auf den Brücken zahlreiche Studenten-Unterkünfte in einer campusartigen Landschaft

Beispiel hier: modulare Bauweise in Container-Optik

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Ein weiteres Quartier – ohne Nutzungsschwerpunkt, aber mit besonderer Bauart: Auf dem Weg zum Badesee entsteht die „Bade-Zeile“ - lange Reihen von bunten Häusern im norddeutschen Stil – als wäre man auf dem Weg zum Strand

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Vorbild für die Anmutung sind vor allem die Hummerhäuser auf Helgoland

Die Hummerhäuser sind eigentlich ursprünglich Werkstätten der Fischer der Nordseeinsel Helgoland. Heutzutage finden sich in ihnen Restaurants, Kleinkunst oder Büros – kaufen jedoch kann man sie nicht, sie gehören der Gemeinde.

Auf den Frankfurter Brücken werden sie nicht eins zu eins nachgebaut, sonder dienen lediglich als Inspiration für die Reihenhäuser, die sich auf dem Weg zum Badesee hinter der Gourmet-Zeile befinden; denn das auffallend schöne an ihnen ist ihre Farbgebung: Diese stammt von Johannes Ufer, einem deutscher Maler und Bildhauer der sogannten „Verschollenen Generation“ von Künstlern (geboren 1912).

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Nicht nur die Farben dienen als Inspirationsvorlage, sondern auch das Baumaterial: Die Hummerhäuser sind traditionell aus Holz. Allerdings entstehen auf den Frankfurter Brücken an der Bade-Zeile die Häuser nicht nur aus einfachem Holz, sondern aus besonders nachhaltigen Holzbaustoffen: Das können Holzbausteine aus Schadholz sein oder Holzbeton aus Alt- und Restholz oder auch leim- und chemiefreier Vollholzbau u.v.m. Es gibt in Europa eine wachsende vielfältige Landschaft an nachhaltigen Holz-Baustoffen, und entsprechend kommen auf der Bade-Zeile der Frankfurter Brücken die unterschiedlichsten innovativen (oder wiederentdeckten) Holzbaustoffe zum Einsatz.

 

Die bunten Reihenhäuser zwischen Gourmet-Zeile und Nidda sind lediglich zwei- bis dreigeschossig. Jenseits der Nidda hingegen entstehen größere viergeschossige Holzbauten, die an skandinavische moderne Architektur angelehnt sind.

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Ein Stückchen weiter –jenseits der Nidda- enstehen etwas höhere Häuser: Für sie dient das 79&Park in Schweden als Inspirationsvorlage

Das 79&Park-Areal in Schweden hat einen reduzierten Stahlbetonkern und ist verkleidet mit Zedernholz, das extrem wetterbeständig ist (wird auch im Schiffsbau verwendet) und durch seine ätherischen Öle einen eigenen Holzschutz mitbringt.

Da echte europäische Zedern sehr langsam wachsen, muss allerdings eine nachhaltige Forstwirtschaft als Lieferant dienen. Dann ist das Holz auch für konstruktive Teile mehrgeschossiger Bauten in puncto Haltbarkeit fast unschlagbar: Traditionelle chinesische mehrgeschossige Gebäude sind aus Zedernholz gebaut, und einige davon sind bereits über 1000 Jahre alt.

Die Häuser am Brückenenden-Marktplatz der Badezeile sind lediglich vier Etagen hoch; Baumaterial und architektonische Anmutung des schwedischen Vorbildes können daher hier passende Anwendung finden. 

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Hobbit-Häuser auf dem Seitenstreifen der Bade-Zeile: Egal ob Häuser sich selbst begrünen oder von Menschenhand begrünt werden - es ist meist ein schöner Anblick

 Joe Shoe Wikimedia - Grünes Haus Gießen
Vera Enzi - www.grünstattgrau.at

Eine Komplettbegrünung, die Dach und Fassade umfasst, ist allerdings nicht trivial: Will man nicht ständig alles per Hand gießen, müssen es bodengegründete Kletterpflanzen sein, die sich selbst versorgen. Alternativ gibt es Fassadenbegrünung, bei denen die Pflanzen in Netzen an die Fassade gehängt werden und die Dachpflanzen auf speziellem wasserspeichernden Untergrund gepflanzt werden – wobei alles mit einem Feinsteuerungssystem für Bewässerung versehen ist. Die Herausforderung hierbei besteht darin, so wenig Kunststoff wie möglich für die Fassadensysteme zu verwenden, damit kein Mikroplastik ausgeschwemmt wird.

Eine weitere Herausforderung sind Dachschrägen: Wenn die Pflanzen nicht gerade festgewachsen sind auf einem erdähnlichen Untergrund, wie bei den isländischen Grassodenhäusern, müssen spezielle Befestigungssysteme das Abrutschen der Pflanzschicht verhindern. Alledings scheiden Grassodenhäuser aufgrund des hohen Instandhaltungsaufwandes für die Frankfurter Brücken leider  aus.

ijsland-info.nl

So putzig der Anblick der eingewachsenen Grassodenhäuser in Island auch sein mag – der Erhalt eines Hauses mit „Erd-Dach“ ist leider zu aufwendig für die Hobbit-Häuser auf den Frankfurter Brücken

Bei fast allen Brücken-Häusern ist für mindestens eine Seite ein kompletter Bewuchs mit bodengegründeten Kletterpflanzen als Fassadenbegrünung vorgesehen. Sämtliche Flachdächer auf den Brücken werden ebenfalls begrünt, es sei denn, sie dienen der Solar-Energie-Gewinnung oder fungieren als Dachterrasse. Doch egal welche Begrünungstechnik angewandt wird: die der Grassodenhäuser kann auf den Brücken leider nicht zum Tragen kommen, da der Pflege- und Instandhaltungsaufwand viel zu hoch wäre.

Hobbit-Häuser auf den Frankfurter Brücken dienen der Forschung zu wurzelfesten Dachabdichtung bei Gründächern

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Die Brücken-Hobbit-Häuser werden meist nicht an den Seiten mit bodengegründeten Kletterpflanzen versehen, sondern erhalten rundherum eine Gras- und Kleinstauden-Bepflanzung.

Während begrünte Flachdächer auf den Frankfurter Brücken nach dem gleichen Prinzip der Unterflurbewässerung auf Carbonbeton-Säulchen funktionieren wie der begrünte Frankfurter Brückenkorpus selbst, stellen die Hobbit-Dächer mit ihrer geschwungenen Form eine ganz besondere Herausforderung dar: Ihre geschwungenen bzw. runden Formen können (wie bei allen anderen geschwungenen Dächern auch) nur mit wurzelfestem Folienmaterial abgedichtet werden. Dieses kann jedoch, selbst wenn es schadstoffarm ist, mit den Jahren spröde werden und Mikroplastik an die Umwelt über das Regenwasser abgeben. Vor dem Hintergrund, dass immer mehr Dächer (auch die geschwungenen und schrägen) weltweit begrünt werden sollen, ist es wichtig, potenzielle Verschleißprobleme bei dem folienartigen Abdichtungsmaterial so früh wie möglich durch Innovation und Forschung zu minimieren.

Wenn schon norddeutsch mitten in Hessen, warum dann keine Reetdächer?

Die Baumaterialien auf den Brücken sollen vielfältig sein, um anhand dieser „Innovationsebene“, die die Frankfurter Brücken nun mal darstellen, so viel wie möglich zu erforschen und vor allem Langzeiteffekte von ökologischen Bauweisen beobachten zu können.

Allerdings kommen nur solche Materialien zur Anwendung, die in irgendeinem Aspekt Forschungspotenzial aufweisen, und dies ist bei Reetdächern derzeit nicht gegeben. Außerdem gibt es keine Firmen in Hessen, die auf die  -nicht triviale-  Instandhaltung solcher Dächer spezialisiert wären. Und ohne Forschungsaspekt gibt es keinen Grund, für die Reparatur eines Daches die Handwerker dazu hunderte von Kilometern anfahren zu lassen.

Hinzu kommt das Thema Brandgefahr: Holzhäuser brennen nicht häufiger als Häuser aus anderen Materialien und bleiben auch durchaus die gesetzlich vorgeschriebenen 90 Minuten im Brandfall stehen. Holz kann überdies kontrolliert geflämmt werden, so dass es eine feine Kohlenkruste bildet, bevor es verbaut wird, und ist danach nur sehr schwer entflammbar. Ein Reetdach hingegen ist leichter entzündbar und brennt deutlich schneller ab. Umgekehrt kommt der unschätzbar große Vorteil von Reetdächern in Frankfurt nicht zum Tragen, nämlich ihre vergleichsweise hohe Resistenz gegen Küstenstürme aller Art.

Das Quartier der Fachwerkhäuser im Wald

Die historische Altstadt Frankfurts war eine der größten Fachwerkstädte Deutschlands. Ihre Gebäude stammten zum großen Teil aus dem Mittelalter und wurden im zweiten Weltkrieg im Luftangriff 1944 auf Frankfurt zerstört.

 

Die Frankfurter haben ihrer Sehnsucht nach der zerstörten Altstadt bereits zweimal Ausdruck verliehen: das erste Mal 1983, als die alten Fachwerkhäuser an der Ostzeile des Römers wieder aufgebaut wurden; und das zweite mal 2018 mit dem Bau der „Neuen Altstadt“, die auch 15 originalgetreu rekonstruierte Fachwerkhäuser umfasst.

 

Auch wenn die Frankfurter Altstadt in ihrer Gänze verloren bleibt, sollen einzelne ikonische Gebäude der damaligen Zeit auf den Frankfurter Brücken im Fachwerk-Quartier rekonstruiert werden.  Dies ist zudem eine schöne Aufgabe bzw. Herausforderung für die Meisterakademie zur Bewahrung und Innovation des europäischen Kunsthandwerkes: Nachhaltiges Bauen mit Fachwerk ist eine Kunst, die es zu bewahren gilt.

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Fachwerk ist nicht immer sichtbar – aber egal ob sichtbar oder nicht: Es handelt sich um eine extrem nachhaltige Bauweise, die auf den Brücken aufgegriffen und weiterentwickelt werden soll

Besonders beliebt bei Touristen, Malern und Fotografen war schon im 19. Jahrhundert der Fünffingerplatz: Dort mündeten hübsche enge Gässchen mit Gebäuden, deren Charme noch heute auf den alten Fotografien zu erkennen ist. Auch wenn die Gassen nach heutigen Bauvorschriften nicht mehr genau so rekonstruiert werden dürfen, weil zwischen Häusern ein Mindestabstand von 5 Metern vorgeschrieben ist, lässt sich die Grundstruktur problemlos auf dem Südareal der Frankfurter Brücken nachbauen.

Frankfurt  Altstadt

Mit Brandschutzexperten wäre zu klären, ob mit einem besonderen Konzept der 5-Meter-Abstand ggf. doch unterschritten werden kann, um die Charakteristik der Gassenführung beizubehalten

Stadtplan Römerplatz, Stadtplan Römerberg

Frankfurt hat durch seine einzigarten Hochhausschluchten bereits seit einem halben Jahrhundert zahlreiche Brandschutz-Herausforderungen zu bewältigen. Die lokalen Experten und Behörden sind es insofern gewöhnt, sich mit noch weitaus kniffligeren Konstellationen als ein paar schmalen Gassen auseinanderzusetzen. Da nicht nur das Quartier, sondern auch sein Untergrund und seine gesamte Infrastruktur von Null aufgebaut werden, können hier alle modernen bzw. innovativen Brandschutz-Maßnahmen zur Anwendung kommen – was nicht nur bei räumlicher Enge durch zukünftige städtische Nachverdichtungen, sondern auch durch den verstärkten Bau mit nachhaltigen nachwachsenden Rohstoffen wie Holz, Stroh etc. ohnehin ein wichtiges Forschungsfeld in Deutschland werden wird.

Warum historische Fachwerkhäuser nachbauen, anstatt moderne Fachwerkhäuser zu kreieren?

Moderne Fachwerkhäuser funktionieren bauphysikalisch meist etwas anders als traditionelle Fachwerkhäuser, nicht zuletzt weil sie in die „Gefache“ häufig Glas einlegen und dafür umgekehrt weniger traditionelle Fenster haben. Große Fenster sind zwar schön, bieten aber in einem dichter bebauten Quartier wie dem Fachwerkhaus-Quartier der Frankfurter Brücken auch Passanten und Nachbarn sehr viel Einblick in die Privatsphäre.

Hinzu kommt das Ziel der Frankfurter Brücken, Kunsthandwerk zu bewahren, zu fördern und mit innovativer Technologie zu verbinden – und Kunsthandwerk bieten nun mal nur die alten Fachwerkhäuser und nicht ihre modernen Pendants.

Roseneck Frankfurt
smalte-berlin architects
smalte-berlin architects

Wie nachhaltig Fachwerkhäuser sind, kann man in Frankfurt in Alt-Sachsenhausen sehen: Dort stehen heute noch Fachwerkhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Richtig gebaut und ab dem 1.OG mit Schiefer bedeckt, sind sie extrem langlebig.

Alt Sachsenhausen

An anderer Stelle auf den Brücken finden sich hochmoderne Bauten, und zwar im Quartier der fließenden Formen. Es entsteht über der Hanauer Landstraße - und umfasst auch einen Infinity-Pool „für Alle“

Auch wenn Gebäude á la Zaha Hadid für die Brücken zu groß wären, kann dennoch die fließende Formensprache der verstorbenen Architektin auf den Frankfurter Brücken zitiert werden, allerdings mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit und gestaltischer Ausrichtung auf Zugänglichkeit und Wärme – zwei Aspekte, die bei der Architektur Zaha Hadids nicht immer im Vordergrund standen.

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Fließende Formen mit Rabbitz-Technik

Will man fließende oder runde Wände nicht aus Betonteilen bauen, sondern in einer Leichtbauweise, die nachhaltige Baustoffe nutzt, dann bietet sich die Rabbitz-Technik an: Die Gebäudeform wird hierbei doppelwandig ausgeführt, mit einer Unterkonstruktion aus Rundeisen (es könnten bei konventionellen Bauformen auch normale Stahlträger sein).

Die Konstruktion wird mit einem Putzträger aus feinem Drahtgeflecht bespannt und innen wie außen mineralisch verputzt. Der Hohlraum zwischen der Innen- und Außenwand kann mit recyceltem Dämm-Material gefüllt werden, das in die Form kleiner Kügelchen gebracht werden sollte, damit diese beim Füllen fast wie Wasser fließen und so auch kleinste Ritzen der doppelschaligen Konstruktion dämmend schließen.

So gedämmt können Rabbitzhäuser einen Primärenergiebedarf von unter 20 kWh/(m²/a) erzielen.

Markus Aumüller Oberursel - www.bubblemainia.fr
Martin Ranft - Standesamt Baku

Wo die Frankfurter Brücken an der Hanauer Landstraße über die S-Bahn-Brücken hinweg in 15 Meter Höhe verlaufen, befindet sich auch ein Luxus-Infinity-Pool „für Alle“

Zwar nicht in Rabbitz-Bauweise, aber ebenso elegant wie sein direktes modernes Brückenumfeld ist der Infinity-Pool, von dessen Außenbecken man einen Blick über die Stadt hat. Er ist innen ausgebaut wie ein Luxushotel und wird mit Solarthermie sowie der Abwärme der Rechenzentren auf der Hanauer Landstraße  geheizt.

Das wichtigste Merkmal des Pools ist, dass der Eintritt nicht mehr kostet als das Rebstock-Bad und somit für alle Bürger gleichermaßen erschwinglich ist. 20 Stunden pro Tag geöffnet soll er zum Lieblingswellness-Ort der Frankfurter werden. Man muss sich allerdings im Vorfeld mit seiner Brückenkarten-Nummer anmelden, um Überfüllung zu vermeiden.

FamVeldman - depositphoto.com

Ein wichtiger Parameter bei sämtlicher Quartiersplanung auf den Brücken: Alle Gebäude und ihre Funktion bzw. Nutzung stehen in Bezug zu den Quartiersgebäuden um sie herum oder aber zu den Gebäuden entlang ihres Brückenabschnittes

Im Gebäudekataster der Brücken wird die Wohnungsvergabe an Personen mit Anspruch auf bezahlbaren Wohnraum vorgeschlagen, die in Präsenzberufen im direkten Brückenumfeld arbeiten (viele Berufe sind nicht home-office-fähig), so dass Pendlerverkehr massiv reduziert wird: Am Otto-Hahnplatz sollten z.B. geringer verdienende Mitarbeiter der Schulen, des Kindergartens oder der Mainufer-Museen Wohnraum erhalten, an der Nibelungenallee z.B. Mitarbeiter des Bürgerhospitals, insbesondere diejenigen mit Nachtschichten usw..

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Auch auf den Brücken werden sinnvolle Kombinationen von Gebäuden als Grundprinzip der Planung vorgesehen: Funktionen werden nicht isoliert betrachtet, sondern die Planung erfolgt entlang menschlicher Beziehungen oder Bedürfnisse

So werden Beispielsweise Kinderkrippen und Seniorenheime nebeneinander erbaut: Sie haben eigene große Außenbereiche, aber auch einen gemeinsamen Außenbereich, wo Senioren sitzen können und den kleinen Unter-Dreijährigen beim Spielen im Sandkasten zuschauen oder auch die ganz Kleinen in ihren Kinderwagen bespaßen können. Gerade die Kleinsten sind froh um jede liebevolle Aufmerksamkeit, und Senioren lieben häufig den Kontakt mit kleinen Kindern in ihrem ansonsten von alten Menschen geprägten Umfeld.

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Das Konzept menschlicher Verbindungen von Gebäuden lässt sich nicht nur auf den Brücken, sondern auch bei der Stadtplanung entlang der Brücken realisieren

Beispiel Bahnhofsvorplätze: Bei der Neugestaltung des Areals vor dem Frankfurter Hauptbahn kann entweder wieder ein Bahnhofsvorplatz geschaffen werden – nur etwas grüner und neuwertiger als bisher…

 Im Januar 2009 zur Preisvergabe wurde kein erster Platz vergeben. Nur ein zweiter und dritter Platz gewannen den Wettbewerb.

Google Earth

. . . . oder man kann den Platz zu einer Lebensfläche machen, welche die Bedürfnisse ALLER Menschen berücksichtigt, die sich für gewöhnlich vor Bahnhöfen aufhalten: Touristen, Pendler, Anwohner aber auch Obdachlose und bettelnde oder drogenabhängige Menschen

Das Warten an Bahnhöfen ist meist unangenehm, wird nur unfreiwillig in Kauf genommen und verringert häufig auch die Bereitschaft, überhaupt mit dem Zug statt dem Auto zu fahren. Wenn der Bahnhof ein schön gestalteter Lebensraum ist mit cooler Gastronomie und attraktiven Geschäften, dann wird der Aufenthalt dort zum positiven Erlebnis. Auch für die ärmsten der Gesellschaft, die sich dort aufhalten, müssen Anlaufstellen angeboten werden: Drogenhilfe und mildtätige Stationen sind mit eigenen Gebäuden einzuplanen.

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Anstatt drogenabhängige Menschen oder Menschen ohne Obdach von den Bahnhofsplätzen durch „hostile engineering“ zu vertreiben, sollten offene Anlaufstellen für sie gerade vor den Bahnhöfen in die bunte Gebäudewelt dort integriert werden

 Gerade ältere Menschen, Kinder, Jugendliche oder auch Frauen haben verständlicher Weise besonders in den Abendstunden oft Angst, sich zum Bahnhof zu begeben oder dort mit dem Zug anzukommen, weil sie Obdachlose und bettelnde oder drogenabhängige Menschen schwer einschätzen können. Deshalb sollten Bahnhofsplätze nicht nur mit lebenswerter, cooler und attraktiver Gastronomie und Geschäften eingerahmt werden, sondern auch Gebäude für Menschen, die akut Hilfe benötigen, sollten ebenfalls eingegliedert werden. Am Frankfurter Hauptbahnhof können dies die schönen Eckgebäude sein: In den Räumlichkeiten dort bekommen Drogenabhängige wenn nötig Erste Hilfe, erhalten saubere Spritzen, werden an die nächstgelegenen Konsumräume weitergeleitet oder erhalten auch Drogenberatung. Obdachlose können in dem zweiten großen Eckgebäude ebenfalls medizinische Erste Hilfe in Anspruch nehmen, sie werden informiert darüber, wo sie Essensausgaben, Möglichkeiten zur Reinigung oder humane Obdachlosen-Unterkünfte –zum Beispiel Little Soho direkt neben dem Bahnhof – finden.

Auf diese Weise müssen diese ärmsten der Armen in unserer Gesellschaft von der Wachgesellschaft, die ebenfalls Räumlichkeiten in einem der Gebäude erhält, nicht vertrieben werden, sondern sie können zu diesen Anlaufstellen hingeleitet werden, von wo aus sie an die entsprechenden Hilfsstellen weiter gebracht werden können.

 

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Baut man die Gebäude aus Leichtbausteinen (wegen der darunter liegenden B-Ebene) mit entsprechender kunsthandwerklicher Ausgestaltung in Anlehnung an den Hauptbahnhof, so finden die schönen Drogen- und Obdachlosen-Häuser am Rand auch viel mehr Akzeptanz bei den Bürgern.

Die Bewässerung durch Regenwasser vom Bahnhofsdach nach dem Vorbild der Frankfurter Brücken dient zur Entsiegelung und Begrünung des gesamten Areals, inklusive begrünter Dächer: Es entsteht eine lebendige Erlebniswelt!

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Die Frankfurter Brücken sind ein Schaufenster der Innovationen: auch in Bezug auf die Vielzahl an nachhaltigen Baustoffen, die dort verwendet werden

Beispiele für nachhaltige Baustoffe auf den Frankfurter Brücken:

-Alle Arten von Beton mit unterschiedlichsten Zuschlägen, Bindemittel-Ersatzstoffen, Bewehrungen oder auch „selbstheilend“ mithilfe von Bakterien

-Hölzer mit diversen Nachhaltigkeits-Aspekten

-Nachwachsende Rohstoffe aller Art

-Exoten (bis dato) im Baugeschäft: intelligenter Stahl, Rabbitz, lichtdurchlässiger Beton, 3D-Textilien für Gebäudehüllen, Pilz als Isolator, Graphenflocken und vieles mehr.

In den Quartieren wird immer schwerpunktmäßig aus bzw. mit einem besonderen Baustoff gebaut. Dabei enstehen aus jedem Baustoff mindestens zwei verschiedene Häuser, die leicht unterschiedliche Stadtortbedingungen haben: eines steht zum Beispiel in der prallen Sonne, das andere hingegen wird von anderen Gebäuden (seien sie auf der Brücke oder neben der Brücke) verschattet.

Nur wenn man mehrere Testobjekte hat, die grundsätzlich im gleichen Quartier stehen (also vergleichbare Testbedingungen haben), sich aber in ein paar Parametern unterscheiden (z.B. Verschattung, Anforderung an die Statik u.ä.), kann man das Verhalten dieser Baustoffe erforschen und ihre Anwendung über die Jahre hinweg bei anderen Bauvorhaben optimieren. Die Frankfurter Brücken sind somit auch ein riesiges, vielfältiges Test- und Forschungsfeld.

Die Eigenart eines jeden Quartieres kann durch unterschiedliche Faktoren geprägt werden

Durch landschaftsarchitektonische Gestaltung und Baustile wird jeweils eine besondere Atmosphäre erzielt

Über besonders trostlosen Kreuzungen sind Quartiere mit besonders positiver warmer Atmosphäre gefragt – nicht zuletzt den Anwohnern zuliebe, die mit der grauen Einöde vor ihrer Haustür bis dato leben müssen.

 

Die spezielle Nutzung eines Quartiers kann in den Bereichen Bildung, Kultur oder auch Soziales liegen

Für Bildung und Soziales sind in vielen Städten oft weder Mittel noch Räumlichkeiten gegeben. Auf einer neuen zweiten Ebene in der Stadt hingegen können solche Angebote genau dort platziert werden, wo sie auch gebraucht werden.

 

Beim Einsatz verschiedenster innovativer Baustoffe ist die Verbindung zur Forschung wichtig

Je nach Quartier gibt es einen anderen Schwerpunkt bei der Auswahl der verwendeten Baustoffe und Bautechniken. Nur eines haben alle Baustoffe gemeinsam: Sie müssen direkt oder indirekt nachhaltig sein

 

Die Bauweise und Logik der Quartiere auf den Frankfurter Brücken lässt sich auch in den Bereichen entlang der Brücken anwenden

Egal ob auf den Brücken oder am Boden: Bei jeder Quartiersgestaltung ist das höchste Ziel, dass die Menschen sich gerne dort aufhalten. Dies ist vor allem dann gewährleistet, wenn die Baustile sich der Umgebung anpassen, jegliche Monotonie vermieden wird und stattdessen Vielfalt und Abwechslung vorherrschen. 

Während die Engländer mithilfe von Quinlan Terry ihr Ufer an der Themse im 21. Jahrhundert stilgerecht und human bebauen . . .

Diliff - Wikimedia

. . . . lädt die fast zeitgleiche neue Bebauung des Mainufers in Frankfurt weniger zum Verweilen ein

Norbert Neetz

Fazit: Die Quartiere auf den Frankfurter Brücken sind von bunter Vielfalt

Die Frankfurter Brücken sind nicht einheitlich aus einem Guss gestaltet, sondern haben unterschiedlichste Quartiere, die auch alle sehr verschieden wirken - wie bei einer gewachsenen Stadt. Die Vielfalt kommt durch mehrere Faktoren zustande: sei es durch eine besondere Atmosphäre, eine spezielle Nutzung , die Anwendung innovativer Baustoffe – oder aus einer Kombination aus allen drei Faktoren.

 

Die bislang definierten Quartiere können noch um weitere Quartier-Ideen ergänzt werden: Die Frankfurter Brücken bieten mit einer Brückenfläche von über 2 Mio. Quadratmetern und einer Gebäudefläche von 1,15 Mio. Quadratmetern genug Platz, um für unterschiedlichste Bedürfnisse passende Quartiere zu bauen.