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VERPACKUNG - INNOVATIV

Das Hauptproblem bei Verpackungsentsorgung ist die Komplexität: Es gibt zu viele unterschiedliche Verpackungen und unzählige Spieler auf dem Markt. Die unendlich vielfältigen Verpackungen, die hergestellt werden, sind selten mehrwegfähig bzw. erreichen bei Mehrwegfähigkeit nicht die Skaleneffekte, die für ressourcenschonende Prozesse notwendig wären.

Die Probleme des heutigen Verpackungssystems können nur durch Komplexitätsreduktion angegangen werden. Auf den Frankfurter Brücken wird eine nachhaltige Verpackungswelt komplett neu definiert, angefangen bei der Nutzung von drei Grundstoffen für die Herstellung von Verpackungen: leichtes Glas, das nicht zerbrechlich ist, dünner emaillierter Edelstahl und Polyethylen, das zu Wasser und relativ reinem, i.e. industriell wiederverwendbarem CO2 verbrannt werden kann.

Hinzu kommen sämtliche 100% biologisch abbaubare Verpackungsstoffe, die ohne Mikroplastik-Absonderung in einer Gruppe mit Biomüll entsorgt werden können. 

Alle gewählten Verpackungsstoffe sind über ihre Lebensdauer hinweg gesehen CO2-arm in der Produktion, und sie hinterlassen bei der Entsorgung kein Mikroplastik. Außerdem sind sie schadstofffrei in ihrer Herstellung und Entsorgung geplant. 

An das Mehrwegsystem mit Glas- und Edelstahl-Verpackung kann auch das Umfeld der Brücken sukzessive angeschlossen werden: Je mehr das System von der Stadt erobert, desto größer werden die Skaleneffekte – einmal angefangen ist der Roll-Out immer einfacher und schneller.

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Iryna Grygorii - alamy.com

Auf den Frankfurter Brücken sollen Take-away Verpackungen hauptsächlich aus Glas oder Edelstahl sein

Das Take-away-System der Frankfurter Brücken macht die Nutzung von Mehrwegbehältern so einfach und bequem, wie die von Wegwerfbehältern. So ist auf den Frankfurter Brücken jeder Gastronomiebetrieb verpflichtet, gegen Pfand mehrwegfähige Take-away Verpackungen aus robustem leichten Glas oder emailliertem dünnen Edelstahl zur Verfügung zu stellen. Die geleerten Behälter können in einem der 300 Sammelrondelle auf den Brücken zurückgegeben werden. Das Pfand wird sofort wieder gutgeschrieben, die Behälter industriell gereinigt und zurück an die Gastronomie geliefert.

Inhalt: Beschrieben wird ein nachhaltiges Mehrweg-System für Take-Away-Behälter auf den Brücken

Anstatt Kunststoff werden die äußerst haltbaren und damit sehr lange wiederverwendbaren Materialen Glas und Edelstahl vorgeschlagen.

Für beide Materialien stehen Lösungen mit geringem Gewicht im Vordergrund, und beim Glas kommt noch hinzu, dass es nicht leicht zerbrechen darf.

Alle Gastronomen auf den Brücken sind verpflichtet, ihre Speisen und Getränke in einer breiten, aber festgelegten Palette an Behälter-Ausführungen zu verkaufen. Die Verbraucher können diese Behälter jederzeit an verschiedensten Stellen auf den Brücken zurückgeben – von dort werden sie gesammelt abgeholt, gereinigt und den Gastronomen wieder zur Verfügung gestellt.

 

Schluss mit Wegwerfverpackungen aus Kunststoff: Auf den Brücken gibt es nur Mehrwegsysteme für Take-away-Gastronomie

Take-away-Gastronomie gewinnt immer mehr an Bedeutung. Verkauft wird das Essen meist in Einwegverpackungen. Das Ergebnis: ein Müllberg. Dass jeder seinen eigenen Behälter mitbringt, ist zwar ein positiver Ansatz, er funktioniert jedoch nur bei genauer Vorplanung oder prophylaktischer Mitnahme – entsprechend selten wird es praktiziert: Meistens holt man sich spontan einen Kaffee bei Starbucks, ohne seinen eigenen Becher dabei zu haben - und wenn man ihn ausgetrunken hat, möchte man den schmutzigen Becher nicht mit sich herumtragen, wenn man sich weiter durch die Stadt bewegt.

Unkompliziert muss ein Verpackungssystem sein und gleichzeitig umweltfreundlich und ressourcensparend. Das bedeutet:

(1) Man muss die Transportverpackung vor Ort mit dem Essen mitnehmen können und diese danach unkompliziert wieder loswerden: Das Abgabesystem muss so einfach sein wie die Entsorgung bei Wegwerfverpackungen, denn nur dann nehmen die Menschen es an.

(2) Das Material der Verpackung muss mehrwegfähig sein. Dies kann nur funktionieren, wenn die durch eine begrenzte Anzahl an Verpackungsformen Skaleneffekte bei der Rückgabe/Sammlung, der Reinigung und der Wiederverteilung an die Gastronomie realisiert werden.

Shirin Kriklava - Stiftung Altes Neuland Frankfurt

Nur wenn die Komplexität der Take-away-Verpackungen reduziert wird und alle Gastronomen die gleiche Behälter-Palette verwenden, können die notwendigen Skaleneffekte erreicht werden

Ähnlich wie bei den Perlenflaschen unterschiedlicher Getränke - von Sprudelwasser über Limonade bis hin zur Schorle - verschiedene Anbieter erfolgreich und effizient ein und das gleiche Gefäß benutzen, so kann auch im Take-away-Bereich eine Standardisierung der Behälter-Palette dazu dienen, ein umweltfreundliches Mehrwegsystem aufzubauen: Die Verbraucher können die Take-away-Behälter überall im Quartier an Sammelstellen loswerden; so müssen die Behälter nicht genau zu dem Anbieter zurück, von dem sie kamen, sondern können gebündelt für alle Gastronomen im Quartier abgeholt, gereinigt und je nach Bedarf des einzelnen Betriebs wieder verteilt werden. Hätte jedes Restaurant und Café seine eigene spezifische Behälterausführungen, so wäre dies nicht möglich - zumindest nicht mit den ökonomisch notwendigen Skaleneffekten.

Helene Holunder, Lieblingsglas.de, Küchengötter.de, t-online

Das Take-away-System der Frankfurter Brücken arbeitet ohne Kunststoffbehälter

Es gibt bereits einige Mehrwegsysteme für die Gastronomie, doch häufig ist hier das Geschirr noch aus Kunststoff. Wiederverwendbares Plastikgeschirr hat allerdings einen großen Nachteil: Kratzer und Verfärbungen lassen es nach einiger Zeit unhygienisch und unappetitlich wirken, sodass es irgendwann ersetzt werden muss. Daher landet auch Plastikgeschirr, das bis zu zwei- oder dreihundert Mal wiederverwendet werden kann, letztlich im Abfall und muss ersetzt werden. Da wiederverwendbarer Kunststoff, der als Behältermaterial für heiße oder säurehaltige Speisen infrage kommt, bestimmte Eigenschaften aufweisen muss, ist dieser aktuell nicht recyclebar. Hinzu kommt, dass Menschen oft intuitiv bzw. subjektiv heiße oder säurehaltige Speisen und Getränke ungern aus Plastikbehältern konsumieren.

Ziel auf den Frankfurter Brücken ist es daher, ausschließlich Verpackungen zu verwenden, die

  1. mit möglichst geringem Energieaufwand hergestellt werden

  2. oft wiederverwendet werden können

  3. leicht und bruchsicher sind

  4. ansprechend aussehen und

  5. es sollen intuitiv auch heiße und saure Speisen und Getränke gerne daraus zu sich genommen werden. 

Ein Blick in die Vergangenheit hilft bei der Lösungsfindung. 

Stiftung Altes Neuland GNU
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Die erste Mehrweglösung: emaillierte Take-away-Behälter aus Metall

Seit Jahrhunderten transportieren Menschen fertige Speisen, erst die vergangenen Jahrzehnte tun sie dies in Plastik. Was haben sie also davor genutzt? Unter anderem Behälter aus Metall, wie den Henkelmann: Die Metallbehälter sind robust, langlebig und - da mit Kompartimenten versehen - sehr praktisch.

Sollten sie doch einmal nicht mehr nutzbar sein, so kann das Material recycelt und neue Behälter daraus gefertigt werden. 

Allerdings hat Metall einen Nachteil: das Essen daraus mit Metallbesteck ist unangenehm. Daher soll modernes Henkelmann-Geschirr innen emailliert sein. Emaille ist nichts anderes als eine Glasbeschichtung, die auf das Metall aufgetragen wird. Und aus emailliertem Geschirr fühlt sich das Essen und Trinken sehr angenehm an.

Für die kurzzeitige Take-away Nutzung auf den Brücken kommen entsprechend hauchdünne Metallbehältnisse mit Emaille-Beschichtung auf der Innenseite zur Anwendung.

Das Metall der Wahl bei diesen Behältern ist Edelstahl

Die wichtigsten Kriterien bei der Wahl des Metalls waren: (1) Es sollte häufig vorkommen, (2) langlebig sein, (3) eine hohe Beständigkeit aufweisen („fest“) und dabei vergleichsweise leicht sein, und (4) es sollte für den Lebensmittelkontakt geeignet sein. Drei Metalle sind entsprechend betrachtet worden: Edelstahl, Titan und Aluminium.  

Die Wahl fiel aufgrund seines häufigen Vorkommens, der Langlebigkeit und des Recyclingpotenzials, sowie seiner ausgezeichneten Lebensmittelverträglichkeit auf Edelstahl. Außerdem hat Edelstahl noch einen weiteren Vorteil: Der Markt für Recyclingstahl ist bereits sehr groß –das Verhältnis von Rohstahlerzeugung zu Stahlschrotteinsatz betrug 2015 weltweit 2:1. Selbst wenn jeder Haushalt in Deutschland permanent ein Set aus 10 Stahlbehältern mit einem mittleren Volumen von 250ml im Gebrauch hätte, würde bereits ein Viertel der pro Jahr in Deutschland verschrotteten Altfahrzeuge als Recyclingmaterial für deren einmalige Produktion reichen. Der ökologische Rucksack für Titan und Aluminium hingegen ist sowohl bei der Gewinnung als auch im Recyclingprozess deutlich größer. 

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Eine Magnesiumlegierung wäre theoretisch ebenfalls ein Kandidat gewesen. Hierfür hätte die Metallauswahl jedoch auf verschiedenste Legierungen erweitert werden müssen, was den Rahmen der Machbarkeitsprüfung für die Frankfurter Brücken gesprengt hätte. Die mangelhafte Korrosionsbeständigkeit und Sprödigkeit bei der Verarbeitung macht Magnesium als Reinwerkstoff für Essgeschirr ungeeignet. 

Ein wichtiges Auswahlkriterium bei Verpackungen: das Gewicht

Spezifische Gewichte im Vergleich:

• Stahl 7,5 bis 8,5 g/cm³ 

• Titan 4,5 bis 4,8 g/cm³ 

• Aluminium etwa 2,7 g/cm³

Stahl besitzt eine durchschnittliche Dichte von 7,85 g/cm³ (=7850 kg/m³) und ist damit bei gleichem Volumen zwar deutlich schwerer als Aluminium und Titan. Seinen Gewichtsnachteil gleicht Edelstahl gegenüber leichteren Metallen durch seine Festigkeit aus: Da er eine höhere Zugfestigkeit als Aluminium oder Titan besitzt, lässt er sich dünner verarbeiten. Man benötigt für ein Gefäß also weniger Material bei gleicher Festigkeit.

Die Eigenschaften der Edelstahlverpackungen werden durch eine zusätzliche Emaillebeschichtung weiter massiv verbessert. Insbesondere die erhöhte Stoßbeständigkeit, sowie die verbesserte Resistenz gegenüber Säuren und Laugen sorgt für eine deutliche Verlängerung der Lebenszeit einer Verpackung.

Ein emaillierter Edelstahlbehälter mit 250 ml Fassungsvolumen und 1,5 mm Wandstärke wiegt ca. 36 g, zzgl. Deckel. Eine Aluminiumverpackung, die man ca. doppelt so dick machen müsste, um sie ähnlich stoßbeständig zu machen, wäre vom Gewicht dann nicht mehr ein Drittel so leicht, sondern nur noch geringfügig leichter.

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Auswahlkriterium: Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit kann mithilfe des ökologischen Rucksacks bemessen werden: Hier setzt er sich aus dem Energieverbrauch und Schadstoffemissionen bei Herstellung und Entsorgung sowie der Lebensdauer zusammen. Titan und Aluminium sind leichter als Edelstahl, ihr ökologischer Rucksack ist jedoch größer.

Obwohl Titan eines der am häufigsten vorkommenden Elemente der Erdkruste ist, ist es aufgrund des Herstellungsverfahrens extrem teuer. Dieses benötigt hohe Temperaturen, wodurch ein erhöhter CO2-Ausstoß entsteht. Notwendig ist auch der Einsatz von Chlor, das energieintensiv gewonnen wird. 

Das zur Aluminiumgewinnung aus Bauxit gängige Bayer-Verfahren ist ebenfalls energieintensiv. Auch entsteht hierbei ein als Rotschlamm bekannter giftiger und schwer zu entsorgender Rückstand.

Die Gewinnung von Stahl benötigt zwar ebenfalls relativ viel Energie, jedoch kann es mit geringerem energetischen Aufwand recycelt werden als Aluminium oder Titan, da es weniger leicht oxidiert. Wird Recyclingstahl verwendet, verbessert sich der ökologische Rucksack. Hinzu kommt die höhere Beständigkeit und somit Lebensdauer.

Die Wärmeleitfähigkeit von Metall muss beim Take-away umgangen werden

Um der Wärmeleitfähigkeit von Metall zu begegnen, gibt es zusätzlich spezielle Ummantelungen aus vollkommen kompostierbarem Biopolymer, in die Behälter gesetzt werden können. Auch die innenseitige Emaillebeschichtung der Edelstahlbehälter verlangsamt die Wärmeleitung.

Neben Stahl wurde noch ein weiteres mehrwegfähiges Material für die Verpackungen auf den Brücken identifiziert, das weniger wiegt als Edelstahl: Glas hat eine durchschnittliche Dichte von 2,5 g/cm³, ist also noch leichter als Aluminium und schließt an unsere Esstradition aus Porzellan.

Die zweite Lösung sind Behälter aus gehärtetem Glas

Viele Menschen essen meistens von Keramik. Dieses ist jedoch schwer und daher nicht als Material für Take-away Behälter geeignet. Zum Essen ähnlich angenehm ist Glasgeschirr. Es hat, wie Edelstahl, viele Vorteile: Es ist lebensmittelecht, geschmacksneutral, lässt sich hygienisch säubern und kann recycelt werden. Glas hat jedoch einen Nachteil: Es zerbricht relativ leicht. Macht man das Glas dicker, wird es zwar bruchfester, aber auch schwerer – und damit mühsamer und teurer im Transport.

Doch dafür gibt es eine Lösung: gehärtetes Glas. 

Glasmuseum Weisswasser Superfest Gläser

Glas lässt sich auf zwei Arten härten: thermisch oder chemisch

Bei thermisch gehärtetem Glas wird durch ein zweites Erhitzen des Glases die Spannung zwischen der äußeren Schicht und dem Glaskern verändert. Dadurch wird es um bis zu 15 Prozent bruchsicherer. Allerdings braucht thermisch gehärtetes Glas eine gewisse Dicke, um den Temperaturunterschied zwischen Glaskern und äußerer Schicht aufrechtzuhalten. Es kann also nicht beliebig dünn verarbeitet werden. 

Anders sieht dies bei chemisch gehärtetem Glas aus: 

Hier werden auf der Glasoberfläche Natrium-Ionen mit größeren Kalium-Ionen durchsetzt: so verdichtet sich die Glasoberfläche. Das vervielfacht die sogenannte Biegezugfestigkeit des Glases –  umgangssprachlich: seine Härte. Da kein Temperaturunterschied zwischen inneren und äußeren Schichten nötig ist, kann chemisch gehärtetes Glas relativ dünn verarbeitet werden.

Um die Gläser von Smartphones zu härten, wird ein ähnlicher Prozess angewandt.

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Besonders stabiles Glas gab es in der DDR bei den „Superfest“ Gläsern

Die chemisch gehärteten „Superfest“ Gläser gab es in der DDR in jeder Kneipe und jedem Haushalt. Entwickelt wurde das Herstellungsverfahren Ende der 1970er Jahre in der DDR. Damals suchte man nach Wegen für sparsamere Produktion. Heraus kamen „Superfest“ Gläser, die fünf Mal so hart wie normale Gläser waren und selbst Stürze aus 50 Zentimeter Höhe überlebten. Noch heute gibt es zahlreiche dieser Gläser. Doch wie vieles, was die Lebensdauer von Produkten drastisch erhöht – und somit irgendwann zu einem gesättigten Markt führen würde – wurde das Verfahren nach der Wende nicht weiterverfolgt und sämtliche Maschinen verschrottet. 

Isabel Hermes - Superfest DDR Glas

Interview mit Dr. Dieter Patzig, Chemiker und Erfinder des "Superfest" Glases

Die Aufgabenstellung in der DDR war der heutigen, dem Klimawandel geschuldeten, ähnlich: "(...) rohstoffschonende, langlebige Gläser herzustellen". Das neuentwickelte Verfahren bestand daraus, die per Rotationsblasmaschine geformten Trinkgläser bei 430°C mit Kaliumsalz (in Deutschland abbaubar) zu besprühen, anstatt sie durch eine Lösung zu ziehen. 

Zu DDR Zeiten wurden 40.000 Gläser pro Tag produziert, die bis zu 5-mal so lange hielten, wie herkömmliche Pressgläser. Dies führte nach 8-jähriger Produktion bis Ende der 80er Jahre dazu, dass der Markt in der DDR gesättigt war. So gab es dann die Idee, auch chemisch gehärtete Verpackungsgläser anzubieten, die aufgrund der Wende jedoch nie realisiert wurden. Theoretisch könnte jeder diesen Prozess wiederbeleben, denn die Herstellung ist kein Geheimnis: alle Patente sind online frei verfügbar.

Die energieintensive Glasherstellung lohnt sich – allerdings nur im Mehrwegsystem

Glas ist in der Herstellung - ähnlich wie Stahl - vergleichsweise energieintensiv: Für das Schmelzen der Einsatzstoffe werden über 1000 °C benötigt. 

Wie bei Edelstahl verbessert sich die Ökobilanz von Glas allerdings signifikant, wenn es lange und häufig genug genutzt wird: 

Mit chemisch gehärtetem Glas wird daher sowohl Material als auch Energie eingespart:

  1. Durch die Härtung verlängert sich die Lebensdauer der Behälter deutlich. Sie müssen seltener neu produziert werden, was Material und Energie spart. 
  2.  Da die Gläser bruchsicherer sind, können sie bei gleicher Festigkeit dünner gefertigt werden. So sinkt der Energiebedarf für den Transport zwischen Reinigungsstation, Gastronomie und Verbraucher. 

Wenn zur Herstellung zudem Altglas verwendet wird, sinkt der Energiebedarf ein weiteres Mal.

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Bruchfestes, relativ dünnes Glas ist eine nachhaltige Alternative zu Take-away-Verpackungen und Geschirr aus Kunststoff

Die Forschung zur Glas-Technologie bei Smartphones hat in den letzten zwei Jahrzehnten zu rasanten Verbesserung der Bruchfestigkeit geführt: Unterschiedlichste Härteverfahren und Verbundglas-Materialien sind entwickelt worden. Die Erfahrungen aus diesen Forschungsfeldern sollten für die Weiterentwicklung von Take-away-Geschirr aus bruchfestem Glas genutzt werden.

Transport, Reinigung und sonstige Prozessenergie kann immer dann am Tag aufgewandt werden, wenn photovoltaisch erzeugter Strom im Überfluss da ist. Ihre Reinigung erfolgt mithilfe von Wasserdampf und UV-Strahlung, also mit vergleichsweise wenig Wasser oder Spülmittel.

Zudem erfüllen Verpackungen aus leichtem bruchfestem Glas oder dünnem emailliertem Edelstahl noch ein weiteres wichtiges Kriterium: Selbst wenn sie irgendwo in der Umwelt landen, zerbrechen oder falsch entsorgt werden – sie hinterlassen kein Mikroplastik.

 

Die Palette an Behältern ist so breit gefächert, dass für jede Speise ein passender dabei ist

Für manche Gerichte benötigt man Behälter mit mehreren Abteilungen, zum Beispiel für asiatische Gerichte, bei denen Hauptgericht und Reis getrennt gehalten werden sollen. Für Nudelgerichte, Suppen und Ähnliches ist hingegen keine Unterteilung nötig. Behälter mit zwei oder mehr Abteilungen werden aus Metall hergestellt, da sich dieses leichter in Form prägen lässt als Glas. Behälter ohne Unterteilung werden aus Glas hergestellt.

Für Frittiertes und für Speisen mit speziellen Formen, wie Burger, wird es Dosen aus Metall geben, die in der Form den bisherigen Pappschachteln nachempfunden sind. Löcher im Metall lassen Hitze und Dampf entweichen. So bleiben die Speisen frisch.

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Und es gibt auch besondere Take-away Verpackungen für Spezialfälle

Was ist mit Pizza und Döner? Pizzen werden weiterhin in Faltschachteln ausgeliefert werden. Hier gilt es, mittelfristig auf Materialien mit einer besseren Ökobilanz als Papier umzusteigen. So könnten für die Verpackungen Kakaoschalen-Reste verwendet werden. Auch ein breites Sortiment von Behältern aus Pflanzenabfällen gibt es bereits auf dem Markt. Diese sind lebensmitteltauglich und werden restlos abgebaut. 

Döner können weiterhin in Alufolie verpackt werden, da das Entsorgungskonzept der Frankfurter Brücken auch Metalltrennung vorsieht. Das Aluminium wird somit recycelt.

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Ein weiterer wichtiger Nachhaltigkeitshebel bei Take-away-Behältern: Durch angepasste Portionsgrößen entfällt das Wegwerfen von Speisen und Ressourcen werden eingespart

Eine weitere Form der Ressourcenverschwendung sind Reste, die weggeworfen werden, weil die Standardportionen für viele Menschen zu groß sind. Daher ist eine weitere Auflage für die Gastronomie auf den Brücken, kleine, mittlere und große Portionen zu proportionalen Preisen anzubieten. Ohne proportionale Preise tendiert man leicht dazu, sich zu viel zu kaufen, weil es ja nur ein bisschen mehr kostet. Doch die Sorglosigkeit resultiert in Verschwendung: nicht nur von Lebensmitteln, sondern auch von der Energie, die zur Herstellung und zum Transport gebraucht wurde. 

Effizient gestaltete Mehrwegsysteme sind die nachhaltigste Lösung. Dabei sind bequeme und schnelle Rückgabemöglichkeiten wichtige Aspekte bei der Verbraucher-Akzeptanz

Jeder Gastronomiebetrieb, der auf den Frankfurter Brücken Speisen zum direkten Verzehr anbietet, verpflichtet sich, an dem Brücken-Mehrwegsystem teilzunehmen. Laut der Novelle des Verpackungsgesetzes der Bundesregierung sollen die Verkäufer ab dem Jahr 2023 ohnehin zu allen Verpackungen im Take-away eine „kreislauffähige Alternative“ anbieten.

Doch viele verschiedene Lösungen machen die Welt nicht einfacher. Durch ein einheitliches brückenweites System bekommen daher Gastronomen sowie Kundinnen und Kunden ein umwelt- und ressourcenschonendes Mehrwegsystem angeboten, das so einfach ist wie ein Einwegsystem. 

Je nach Speise und Portionsgröße gibt es unterschiedliche Mehrwegbehälter für den Take-away Bereich. Wie jedes Mehrwegsystem funktioniert auch das System auf den Brücken mit Pfand. 

Aber wer will schon den Kaffeebecher oder das Essgeschirr wieder dorthin zurückschleppen, wo es gekauft wurde? Meist ist man weitergeschlendert, hat eine Bank in einem Park gesucht oder ist damit nach Hause gelaufen. 

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In 300 Sammelautomaten können Take-away Verpackungen auf den Brücken zurückgegeben werden

Auf den Brücken gibt es ca. alle 500 Meter (in dichter bebauten Streckenabschnitten alle 50 bis 100m) runde Sammelautomaten. Von außen schön gestaltet (egal ob hochmodern, barock oder ausgefallen – auf jeden Fall kunstvoll), bestehen sie innen alle aus „Mini-Spülmaschinen“, die in einem Rondell um die Mittelachse des zylinderförmigen Automaten angebracht sind. Jeder Automat hat innen drei solcher Rondelle übereinander.

Entsprechend hat jeder Automat auch auf drei Ebenen Schiebefenster, die sich öffnen, wenn man die Brückenkarte einscannt. Durch das offene Schiebefenster kann man das Mehrweggeschirr in die „Mini-Spülmaschine“ einräumen. Wenn sich das Fenster schließt, rückt die gefüllte „Mini-Spülmaschine" weiter, und die nächste (noch leere „Mini-Spülmaschine" auf dem Rondell) rückt nach.  Das für die Gastronomiebehälter gezahlte Pfand wird auf die Karte zurückgebucht. Alles kann in einer App eingesehen werden.

Auf der Oberseite des Automaten sind farblich angepasste Photovoltaikmodule mit Akku Insellösungen angebracht, sodass die Energie für den Betrieb zum Teil daraus bezogen werden kann.

Die Sammelautomaten sind nicht installiert, das heißt, sie sind nicht an das Brücken-Abwasser-Netz, sondern nur an das Brücken-Stromnetz angeschlossen. Es handelt sich de facto um Spülmaschinen im Außenbereich, die allerdings keine Komplett-Reingung vornehmen, sondern lediglich eine Vorreinigung.

Neben den Sammelautomaten befindet gesonderte Mülleimer für Essensreste, etwaig anfallende Tüten etc. Diese Mülleimer sind an die Abfall-Entsorgungsrohre der Frankfurter Brücken angeschlossen.

 

Der Reinigungsprozess beginnt vor Ort im Sammelautomaten

Man muss die benutzten Take-away-Behälter in kleine, separate Mini-Spülmaschinen einräumen können, die abgeschlossene Einheiten darstellen, da beim Öffnen des Schiebefensters kein sonstiges Geschirr mit Essensresten zu sehen oder zu riechen sein darf.

Hat man eine Mini-Spülmaschine durch das Fenster mit seinen Behältern, Besteck, Gläsern etc. befüllt, schließt sich das Fenster und die Mini-Spülmaschine wird von dem Rondell einen Platz weiter gerückt (so dass hinter dem Schiebefenster die nächste, noch leere Mini-Spülaschine zu Stehen kommt). Danach werden alle Take-away-Behälter etc. in der Mini-Spülmaschine kurz mit heißem Wasserdampf gefüllt und im Anschluss per UV-Licht bestrahlt, um Keime abzutöten. Das Wasser für den Wasserdampf führt die Mini-Spülmaschine mit sich, den Strom erhält sie über Kontaktflächen mit dem Rondell-Kern.

Dies ist noch nicht die tatsächliche Reinigung, sondern dient lediglch dazu, dass die Behälter, wenn sie abgeholt und zu zentralen Reinigungsstätten gebracht werden, dort nicht verkeimt und verpilzt ankommen.

Sobald alle Mini-Spülmaschinen von allen drei Rondellen befüllt sind, sendet der Sammelautomat ein Signal an ein Fahrzeug, das                  -autonom fahrend- kommt und die drei Innenrondelle abholt: Hierbei ist es am einfachsten, wenn die Hälfte des Automaten-Gehäuses aus Türen besteht, die aufgehen, der Rondellkern mitsamt der drei Rondelle und ihren Mini-Spülmaschinen durch Rotationsfahrwerke angehoben und in das Auto transportiert wird, aus dem eine neue leere Rondelleinheit kommt und den Platz der alten im Sammelautomaten einnimmt.

Das Fahrzeug bringt die Rondelleinheiten auf das Geländer der FES, und nachdem die Behälter dort zentral in einer eigens dort errichteten Anlage vorschriftsgemäß gereinigt sind, werden sie an die Gastronomie auf den Brücken gemäß deren Bestellmengen zurückgeliefert.

Die Voraussetzung: Der Verbraucher spielt mit und befüllt die Mini-Spülmaschinen so wie seine eigenen zuhause: ohne Essensreste oder Fremdkörper – was der Sammelautomat allerdings mit Sensoren auch registriert und der jeweiligen Brückenkarte des Nutzers zuordnen und ggf. per Pfandabzug verbuchen kann.

Take-away-Behälter sind vielfältig nutzbar: Unverpackt-Läden können die Behälter ebenfalls für ihre Kunden vorhalten

Theoretisch wären die Gefäße auch ideal für selbst gekochtes Mittagessen für unterwegs.

dieauffuellerei.de

Essensreste können neben den Rondellen in Bio-Abfalleimer entsorgt werden, die an die pneumatischen Entsorgungsröhren der Frankfurter Brücken angeschlossen sind

Es sind zwar tagsüber Reinigungskräfte auf den Brücken unterwegs – aber Brückenbewohner und Anwohner, die zu erwartenden zahlreichen Touristen und Park&Ride-Nutzer aus der Frankfurter Umgebung dürften für ein außerordentlich hohes Müllaufkommen auf den Brücken sorgen, das über Take-Away-Reste hinausgeht. Es liegt daher nahe, die Brücken mit einem Trennmülleimer-System zu versehen, das an pneumatische Röhren (im oder unter dem Brückenkorpus liegend) angeschlossen ist, wie es in Songdo/Korea bereits realisiert wurde und auch für die Highline von New York konzipiert worden ist: Dort wird in einer Studie, die das NY Departement for Transportation in Auftrag gegeben hat, sogar der Anschluss benachbarter Gebäude an das „pneumatic waste disposal system“ erwogen.

Fazit: Für Take-away entsteht auf den Brücken ein nachhaltiges Mehrwegsystem ohne Kunststoff

Emaillierter dünner Edelstahl und bruchfesteres, relativ dünnes - und damit auch etwas leichteres - Glas entsprechen den Kriterien der Verpackungsordnung: Richtig behandelt und mit dem entsprechenden Entsorgungsprozess sind sie definitiv mehrwegfähig. Bei Edelstahl kann man von einer Haltbarkeit über mehrere Jahrzehnte hinweg ausgehen, bei robustem Glas durchaus von Jahren. Nach Ende ihres Nutzungszyklus sind beide Materialien problemlos recyclebar.

Auch wenn beide Stoffe in der Herstellung relativ energieintensiv sind, amortisiert sich der Energieaufwand durch die lange Gebrauchszeit wieder relativ schnell. Werden die Gefäße recycelt, ist die Energiebilanz noch besser.

Zudem erfüllen sie noch ein weiteres wichtiges Kriterium: Selbst wenn sie irgendwo in der Umwelt landen, zerbrechen oder falsch entsorgt werden – sie hinterlassen kein Mikroplastik.